Agape

Nachdem wir am 29. Juni 2011 via Email die Information erhalten haben, dass 6 Geschwister im Slum "Bangladesh" im Distrikt Mikindani dringend Hilfe benötigen, sind wir sofort nach Mombasa gefahren um uns selbst ein Bild von der Situation zu machen. Wir haben uns zunächst mit dem…

Nachdem wir am 29. Juni 2011 via Email die Information erhalten haben, dass 6 Geschwister im Slum „Bangladesh“ im Distrikt Mikindani dringend Hilfe benötigen, sind wir sofort nach Mombasa gefahren um uns selbst ein Bild von der Situation zu machen. Wir haben uns zunächst mit dem Bürgermeister, dem  2. District Officer (D.O.) sowie dem Volunteer Children Officer (V.C.O.) von Mombasa - District Changamwe/Mikindani unterhalten. Danach sind wir zum Wohnort der Kinder gefahren. Dort waren sie vor ca. 4 Monaten bei Tante und Onkel zurückgelassen worden. Was wir dort sahen war zutiefst schockierend. Die Kinder waren inmitten fürchterlichen Gestanks in einem  zu einem Zimmer umfunktionierten Hühnerstall untergebracht.

Ihre Tante (Schwester der Mutter) erzählte uns, dass ihr Mann die Kinder nicht haben will, da sie schon 4 eigene haben und nicht wissen wie sie die durchbringen sollen. Desweiteren würde er sie im Beisein der Kinder schlagen, da er sie für die Situation verantwortlich macht. Die Tante will nur das Beste für die Kinder. Sie und auch die älteren Kinder erzählten uns von dem Alkoholproblem der Mutter, dass sie keine Ausbildung hat und keine Arbeitsstelle finden konnte. Im Moment weiß niemand wo sich die Mutter aufhält. Der Vater, ein Tansanier, hatte sich bereits Monate zuvor nach Tansania abgesetzt. Die Tante versucht nun herauszufinden wo die Mutter sein könnte. Auch will die Tante versuchen die Klinikkarten der Kinder zu bekommen und sich um die Geburtsurkunden kümmern.

Nach der Besichtigung des Wohnorts der Kinder gingen wir  zur Polizei und meldeten den Vorfall - die Eltern werden nun offiziell gesucht und werden falls sie jemals wieder auftauchen sollten vor Gericht gebracht. Danach gingen wir zum Jugendamt in Mombasa. Dort wurde uns ein Brief zur Überweisung der Kinder nach Nice View ausgehändigt. Der Beamte des Jugendamts war erstaunt über und dankbar für unsere Mithilfe. Es konnte in ganz Mombasa und im Distrikt Msambweni bisher kein anderes Kinderheim gefunden werden, das bereit war die 6 Geschwister aufzunehmen. Dank uns können die Kinder (Neema 13 Jahre, Amani 11 Jahre, Deborah 7 Jahre, Agape ca. 6 Jahre, Baraka ca. 6 Jahre und Moses 2 Jahre) nun zusammenbleiben.

August 2011: Agape ist ein sehr aufgewecktes, anhängliches und fröhliches Kind. Sie tanzt sehr gerne und fühlt sich wohl in Nice View. Ihre Tante hat sich zwischenzeitlich von ihrem Onkel getrennt und erkundigt sich regelmäßig wie es ihr und ihren 5 Geschwistern geht.

Januar 2012: Nachdem die 6 Kinder bereits mehrere Monate bei uns waren, mussten wir erfahren, dass nur Deborah und Agape in den Baracken in denen wir sie vorfanden lebten. Die anderen 4 wurden uns untergejubelt und sind zwischenzeitlich wieder bei ihren Eltern (siehe Werdegang Amani). Deborah und Agape, ihre Cousinen, sind hingegen wirklich Waisen und werden bei und bleiben.

April 2012: Agape geht noch in die Spielgruppe (Kindergarten), erbringt aber herausragende Leistungen. Sie ist wiss- und lernbegierig und sehr aufgeweckt. Wir gehen davon aus, dass sie den Lernrückstand bald aufgeholt hat und eingeschult werden kann. Agape ist hilfsbereit, fröhlich und eine sehr gute Tänzerin.

Oktober 2013: Agape ist fröhlich, aufgeschlossen und lernbegierig, hat allerdings wie ihre ältere Schwester Deborah manchmal noch ein Problem damit ein ‘Nein’ zu akzeptieren. Wie Deborah hat sie sehr schnell Englisch gelernt und kommt in der Schule immer besser mit. Sie geht jetzt in die 1. Klasse.

Januar 2016: Agape besucht zwischenzeitlich gemeinsam mit Mia und Neema die 4. Klasse. Sie ist sehr aktiv, immer fröhlich und eine sehr gute Schülerin. Ab und zu werden sie und ihre Schwester Deborah von ihrer Mutter, ihrer Großmutter und Tante besucht. Es ist leider in Kenia Gang und Gäbe, dass Kinder dem Jugendamt übergeben werden, da sie scheinbar Halb- oder Vollwaisen sind und die tot geglaubten Eltern dann plötzlich wieder auftauchen. So auch in diesem Falle.

November 2019: Agape geht mittlerweile in die 7. Klasse und ist nach wie vor eine sehr gute Schülerin. Sie ist selbstbewusst, hilfsbereit, an allem sehr interessiert, macht gerne Yoga und ist Teil der Nice View Band.