Martin Musembi

Geburtstag

Monday, 25. January 1999

Vorgeschichte

Nach der Erzählung von Francis! Die vier Kinder mussten seit Jahren mit ihren Eltern ständige Ortswechsel, bedingt durch den Job des Vaters in Kauf nehmen. Francis der Älteste hat am meisten darunter gelitten, da er oft die Schule wechseln musste. Im Juni diesen Jahres hat er die Schule in der 5.Klasse verlassen. Martin der nun 7 Jahre ist wurde nie eingeschult. Ndolo ist schon 5 Jahre alt und hat noch nie einen Kindergarten oder eine Schule gesehen. Fredrick genannt "Freddy" ist nun 2 1/2 Jahre und ist eigentlich zufrieden wenn er genügend zu Essen bekommt. Der Vater hat im Juni 2006 aus unbekannten Gründen die Familie verlassen. Die Mutter ging im Juli 2006 auf die Suche nach dem Vater (angeblich) und ist nie zurückgekehrt. Die Kinder waren plötzlich allein und wussten nicht wie sie überleben sollten. Anfangs hat ihnen der Supermarkt in der Nachbarschaft noch Kredit gewährt, aber nach 3 Wochen haben sie nichts mehr bekommen. Der Älteste "Francis", hat den Jüngsten "Freddy" mit Zuckerwasser am Leben erhalten. Francis hatte plötzlich eine große Verantwortung und diese hat ihn fast erdrückt. Zuerst hatte er Heimweh nach seinen Eltern, dann die Sorge um seine Brüder, er musste plötzlich alle versorgen und fühlte sich verantwortlich. Es gab kein Lebenszeichen von seinen Eltern oder von irgendwelchen Verwandten. Es gab niemanden! Es gab niemanden dem man Fragen stellen konnte! Nirgendwo war Hilfe in Aussicht! Dies war einfach zu viel für den 13 Jährigen Francis - er weinte oft wegen seiner aussichtslosen Situation (seine jüngeren Brüder haben uns dies erzählt)- dann hat er nur noch auf Hilfe gehofft. Am 23.August 2006 kam Hilfe - jemand hat die Polizei und das Jugendamt verständigt. Die Kinder wurden in ihrem jämmerlichen Zimmer geborgen und zu einem Kinderheim in Kwale gebracht. Die Presse war dabei und in Kenya konnten alle im Fernsehen die dramatische Rettung verfolgen. Die Kinder wurden in dem Kinderheim in Kwale von den dort wohnenden Kindern nicht akzeptiert und weinten sich jeden Abend in den Schlaf.Eine Mitarbeiterin des Kinderheims nahm die Kinder für eine Woche zu sich, aber dies war keine langfristige Lösung. Das Jugendamt wurde wieder eingeschaltet und sie fragten uns (Nice View Children's Village) ob wir die Kinder nehmen könnten. Obwohl wir eigentlich keinen freien Platz im Moment haben, haben wir spontan zugestimmt, nachdem wir die traurige Geschichte gehört haben. Wir haben trotz Engpass noch Platz für die vier Kinder geschaffen - es geht immer irgendwie. Wir sehen nun wie dringend unser neues Kinderheim gebaut werden muss! Am 13.September 2006 kamen die 4 Kinder zu und sie haben sich sofort in unserer großen Familie wohlgefühlt. Ein zusätzlicher Tisch im Essbereich wurde aufgestellt und der kleine Freddy bekam ein eigenes Töpfchen - dort sitzt er mit unseren acht Babys nach jeder Mahlzeit und zwischendurch. Martin hat heute (14.09.06) zu uns gesagt: "Selbst wenn man unsere Mutter finden sollte, ich bleibe auf jedenfall hier in Nice View - es ist so schön hier"! Freddy, der Kleinste, hat mich (Gudrun) heute (14.09.06) morgen spontan umarmt, als ich allen Kindern "Guten Morgen" wünschte. Ich war total gerührt von dieser spontanen Geste. Kinder brauchen vor allem Liebe und Zuneigung und wir geben ihnen diese bei uns in Nice View! Das Jugendamt sucht nun mit unserer Hilfe nach den Eltern oder Verwandten der Kinder, falls wir irgendwelche Hinweise bekommen werden wir denen nachgehen. Wir warten nun auf die Ergebnisse aller Untersuchungen, nachdem können wir genauer berichten, wie es mit der Zukunft der Kinder aussieht. Im Moment ist es ihnen nicht erlaubt eine Schule zu besuchen - bis die Untersuchungen abgeschlossen sind! Bis dahin werden die Kinder in Nice-View-Children-Village altersgemäß geschult und es gibt jede Menge Freizeitangebot und Sport in unserem Programm.

Im Juni 2007 sind die vier Brüder noch immer bei uns, und Martin geht nun in die dritte Kindergartenklasse. Wie seine jüngeren Brüder sprach er bisher nur seine Stammessprache und hat in den letzten Monaten schon sehr gut Englisch und Suaheli sprechen und auch schreiben gelernt. Martin ist etwas wild und spielt uns immer mal wieder gerne einen Streich. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, wie er und seine Brüder aufgewachsen sind, und wird sich bestimmt bald ändern. Martin und Francis haben uns nämlich erzählt, dass Martins Vater (Francis' Stiefvater) Francis sogar einmal den Arm gebrochen hat.

Werdegang

Juli 2008: Es sei ein jeder gewarnt, der mit Martin ein Spiel spielen will bei dem es nicht nur aufs Glück ankommt. Man verliert schneller als man denken kann! Martin zeigt an allem ein grosses Interesse, auch in der Schule, ist ein kleiner Gentleman und könnte stundenlang Tierenzyklopädien anschauen.

Juli 2009: Martin und Pascal sind gute Freunde geworden und könnten stundenlang Winnetou Filme anschauen. Martin ist ruhiger geworden, obwohl man vor Streichen seinerseits nie sicher ist. Auch übernimmt er seit einer Weile bei Auftritten der Jungen durchaus Verantwortung. Nach den Sommerferien kommt er in die 4. Klasse.

November 2010: Martin ist nach wie vor an allem sehr interessiert und sehr clever, und wir können deshalb nur schwer verstehen warum seine Leistungen in der Schule nur mittelmäßig sind. Er spielt in unserem Nice View Fußballteam und hat erfolgreich die Prüfung zum gelben Gürtel (Taekwondo) bestanden. Er ist zwischenzeitlich sehr ausgeglichen und immer sehr hilfsbereit.

April 2012: Martin besucht zwischenzeitlich die 6. Klasse und ist momentan gut in der Schule. Er spielt nach wie vor gerne, z. B. Schach oder Scotland Yard. Wenn man mit ihm spielt muss man allerdings aufpassen dass man nicht auf irgendeine Art und Weise ausgetrickst wird. Ein richtiger Schlawiner.

Oktober 2013: Martin ist sehr gewieft, hat ein großes Potential, muss aber noch lernen es voll auszuschöpfen. Er geht zwischenzeitlich in die 7. Klasse, ist nicht schlecht in der Schule, könnte jedoch noch deutlich besser und vor allem auch ordentlicher sein.

Januar 2016: Martin besucht zwischenzeitlich die 10. Klasse einer weiterführenden Schule in der Umgebung von Nakuru. Er spielt dort Volleyball und ist ein guter Schüler. Martin ist eher ruhig, höflich, selbstbewusst, übernimmt Verantwortung und führt im Kinderdorf ab und zu gekonnt durch das Abendprogramm.

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