Michael, ein Straßenkind findet Zuflucht in Nice-View ....

Am 23.02.2009 waren wir mit Boni & Trixi für ein Gespräch auf dem Jugendamt. Dann kam die Managerin eines anderen Kinderheimes dazu. Sie brachte einen Jungen zurück, da die Heimleitung sich entschieden hatte den Jungen, der bereits drei Tage dort untergebracht war nicht aufzunehmen. Sein Name ist…

Am 23.02.2009 waren wir mit Boni & Trixi für ein Gespräch auf dem Jugendamt. Dann kam die Managerin eines anderen Kinderheimes dazu. Sie brachte einen Jungen zurück, da die Heimleitung sich entschieden hatte den Jungen, der bereits drei Tage dort untergebracht war nicht aufzunehmen. Sein Name ist Michael und er ist 10 Jahre alt. Der Beamte vom Jugendamt informierte uns über die traurige Vorgeschichte von dem kleinen Jungen. Seit einigen Jahren lebte er mit seinem älteren Bruder bei seiner Tante in Kisumu. Seine Eltern sind seit mehreren Jahren leider verstorben. Michael und sein älterer Bruder mussten bei ihrer Tante „Sklavenarbeit" verrichten und es gab mehr Ohrfeigen als Essen. Nachdem Michaels älterer Bruder in eine Missionsschule gekommen ist, hielt es der Junge nicht mehr länger bei seiner Tante aus und sah nur noch die Flucht als Lösung. So kam er als blinder Passagier mit dem Zug von Kisumu nach Mombasa. Nachdem er einige Wochen auf den Straßen von Mombasa bettelte, hat ihn eine Sozialarbeiterin aufgegriffen und zum Jugendamt nach Kwale gebracht. Nach dieser Geschichte wurde Michael noch am selben Tag von Gudrun und unserem Sozialarbeiter ins Kinderdorf Nice-View-Children's-Village gebracht.

Juli 2009: Es ist schon erstaunlich wie schnell und gut sich Michael als ehemaliges Strassenkind bei uns eingelebt hat. Michael ist sehr sozial und hilfsbereit. In der Schule hat er noch etwas Schwierigkeiten mitzukommen und hätte vielleicht nicht gleich in die 5. Klasse eingeschult werden sollen. Wir werden dies mit der Schulleitung besprechen und falls notwendig Michael zurückstufen lassen.

November 2010: Michael wurde zurückgestuft und geht daher nun in die 6. Klasse. Seine schulischen Leistungen sind noch immer eher mittelmäßig. Er argumentiert oft lautstark – auch mit uns - und ist beim Tanzen und Singen immer mit dabei. Auch Michael spielt im Nice View Fußballteam.

April 2012: Michael besucht zwischenzeitlich die 7. Klasse und ist ein guter Schüler. Allerdings ist er sehr temperamentvoll was hin und wieder zum Nichteinhalten von Schulregeln führt. Auch tischt er einem gerne die unglaublichsten Geschichten auf, und man muss ihn gut im Auge behalten. Dies hat sicherlich auch mit seiner Vergangenheit zu tun. Michael lebte mehrere Jahre auf der Straße und hat laut eigener Aussage  schon viel von Kenia gesehen. Daher ist er jetzt sehr dankbar in Nice View sein zu dürfen. Er hatte oft nicht einmal einen Platz zum Schlafen. Michael liest sehr gerne und ist oft derjenige der sich die meisten Bücher in unserer Schulbibliothek ausleiht.

Michael ist politisch sehr interessiert und engagiert und wurde von den Kindern in unserem Distrikt zu ihrem Vertreter gewählt. Er ist daher seit diesem Jahr Mitglied des Kinderparlaments in Nairobi. In Kinderparlamenten lernen Kinder Verantwortung zu übernehmen und sich zu behaupten. Sie lernen ihre Probleme zu erkennen und sich bei Missachtung für ihre Rechte einzusetzen. Desweiteren werden ihnen Pflichten und Werte wie gegenseitiger Respekt vermittelt und sie lernen wie Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.

Oktober 2013: Michael besucht seit einer Weile ein Internat. Er strengt sich an in der Schule, hinkt aber aufgrund der Umstellung vom internationalen auf den kenianischen Lehrplan noch etwas hinterher und wurde daher in die 6. Klasse zurückversetzt.

Juli 2015: Bereits vor einer Weile haben wir uns auf die Suche von Michaels älterem Bruder gemacht. Im Zuge dessen, stand plötzlich ein Ehepaar bei uns vor dem Tor. Sie dachten, dass Michael ihr Sohn wäre. Dem war jedoch nicht so. Allerdings konnten sie Michaels totgeglaubten Eltern ausfindig machen. Michael lebte nach der Trennung seiner Eltern bei seinem Vater. Dieser musste 2004 ins Krankenhaus und es wurde ihm, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, mitgeteilt, dass Michael bei seiner Oma mütterlicherseits ist. Als er dort anrief, bekam er allerdings zu hören, dass Michael nicht dort ist. Sein Vater meldete ihn daraufhin bei der Polizei als vermisst. Allerdings gab es bis jetzt, als er von Michael Mutter erfuhr, dass Michael in Nice View ist, kein Lebenszeichen von ihm.Auf Nachfrage hat Michael seinem Vater erklärt, dass seine Mutter und seine Großmutter mütterlicherseits ihm erzählt hätten, dass er nicht sein leiblicher Vater sei. Da er zu seiner Mutter und Oma kein gutes Verhältnis hatte, sei er daraufhin weggelaufen.Michaels Vater, u. a. ein Health Community Worker und Counselor, hat noch zwei weitere Kinder. Ein Mädchen (5 Jahre jünger als Michael) und einen Jungen (17 Jahre jünger als Michael). Seine Mutter hat mit ihrem 2. Mann auch noch 2 weitere Kinder und ist nun zum 3. Mal verheiratet. Michael ist also laut seiner Eltern ihr Erstgeborener und bereits 1995 geboren, d.h. er ist 20 und nicht erst 16 Jahre alt.   Unser Team in Kenia hat das Jugendamt über die neuen Entwicklungen informiert und in Absprache mit seinen Eltern wurde Michael wieder in die Obhut seines Vaters gegeben. Wir sind überzeugt, dass Michael dort in guten Händen ist, da sein Vater als Counselor bald erkannt hat, dass es notwendig ist, weiterhin mit Michael zu arbeiten. Ein Kollege von ihm wird daher die Bemühungen von Alan (Counselor der uns regelmäßig unterstützt), der regelmäßig mit Michael gearbeitet hat, fortsetzen. Michael ist aber nach wie vor ein Teil der Nice View Familie und in den Schulferien immer herzlich willkommen. Auch werden weiterhin die Kosten für seine Ausbildung übernommen.

Januar 2017: Michael hat leider zwischenzeitlich die Schule hingeschmissen. Unser Team in Kenia und seine Eltern standen in Kontakt (Kisumu, wo er nun lebt, ist mehr als 700 km von Nice View entfernt) und seine Großmutter hatte sogar noch eine Organisation eingeschaltet, die sich um Jugendliche mit Problemen kümmert. Diese konnte Michael zunächst einmal davon überzeugen, weiter zur Schule zu gehen, aber leider nur für mehrere Wochen. Schweren Herzens wurde daher entschieden, Michael in Zukunft nicht mehr zu unterstützen, zumal er zu keinem klärenden Gespräch bereit ist.