Mwanajuma

Es fällt schwer 'Nein' zu sagen wenn Kinder in Not sind. Daher haben wir am 26. November 2008 entschieden weitere vier Kinder aufzunehmen. Auch um zu verhindern dass sie getrennt und auf verschiedene Kinderheime verteilt werden. Da es in den Kinderzimmern immer enger wird, treiben wir…

Es fällt schwer ‘Nein’ zu sagen wenn Kinder in Not sind. Daher haben wir am 26. November 2008 entschieden weitere vier Kinder aufzunehmen. Auch um zu verhindern dass sie getrennt und auf verschiedene Kinderheime verteilt werden. Da es in den Kinderzimmern immer enger wird, treiben wir nun mit aller Macht die Einrichtung des Mädchenhauses voran und hoffen, dass im Januar die ersten Mädchen umziehen können.

Mwanajuma (13 Jahre), ihr Bruder Ibrahim (12 Jahre) und ihre Cousins Mickey (7 Jahre) und Juma (6 Jahre) lebten nach dem Tod der Mütter zunächst bei ihrer Grossmutter, die erneut heiratete und die Kinder eigentlich gar nicht bei sich haben wollte. Auch wurde uns erzählt sie hätte Mwanajuma zur Prostitution zwingen wollen. Später lebten sie bei einer Verwandten im Lepradorf. Dabei handelt es sich um eine kleine Gemeinschaft ehemaliger Leprakranker und ihrer Familien innerhalb unseres Dorfes Msambweni. Da diese Verwandte jedoch mit ihren durch die Lepra verkrüppelten Händen kaum arbeiten kann (wir sehen sie regelmässig in Mombasa beim Betteln), musste Mwanajuma viel auf dem Feld arbeiten und war immer für das Kochen zuständig. Es hat so wie es aussieht nur Ibrahim die Schule besucht.

Es dauerte Stunden die 4 Kinder einzusammeln, und es musste sogar die Polizei eingeschaltet werden, da eine Frau, bei der sich einer der Jungen aufhielt, uns angreifen wollte. Jetzt sind sie aber alle wohlbehalten bei uns, und wir können ihnen nun endlich die Versorgung zukommen zu lassen die sie dringend benötigen. Wie bei Mary mussten unzählige Maden an den Füssen und Händen entfernt werden, und auch sonst waren die Kinder in keinem sonderlich guten körperlichen Zustand. Alle vier Kinder hatten infektiöse Wunden am ganzen Körper.

Juli 2009: Nachdem uns Mwanajuma zu Beginn immer Krampfanfälle vorgespielt hat, die immer dann auftraten wenn ihr irgendetwas nicht passte, hat sie sich zwischenzeitlich sehr gut bei uns eingelebt. Sie gehört zu den ruhigeren Kindern, hat eine sehr angenehme Art und man hört Michelle vor Freude kreischen wenn sie mit ihr spielt. Sie wurde zunächst in die 3. Klasse eingeschult und nach den Sommerferien sehen wir dann weiter.

November 2010: Mwanajuma geht nun in die 5. Klasse. Ihre schulischen Leistungen sind eher mittelmäßig, dafür ist sie sehr ordentlich. Mwanajuma ist außerdem sehr freundlich und hilfsbereit, hat aber manchmal Stimmungsschwankungen was wir auf die Pubertät schieben. Sie ist sehr musikalisch, Vorsängerin und hat wie mehrere unserer Kinder am diesjährigen Musikfestival teilgenommen.

April 2012: Es ist momentan nicht einfach mit Mwanajuma. Sie ist manchmal sehr verschlossen und distanziert, dann jedoch wieder liebenswert und hilfsbereit. Sport ist nicht so ihr Ding, sie tanzt aber gerne. Mwanajuma geht zwischenzeitlich in die 5. Klasse, ist eine eher durchschnittliche Schülerin und Class Prefect (Aufsichtsschülerin). 

Oktober 2013: Mwanajuma geht jetzt in die 7. Klasse, versucht ihre schulischen Leistungen zu verbessern und kümmert sich immer sehr engagiert um die Kinder, die neu zu uns kommen, egal ob es sich dabei wie bei Daniel um ein kleines Baby handelt, ihre jüngere Cousine Faima oder Regina, das Massai Mädchen.

Januar 2016: Mwanajuma besucht zwischenzeitlich die 10. Klasse einer weiterführenden Schule in der Umgebung von Nyeri. Sie ist momentan schlecht in der Schule und wir hoffen, dass sie ihre Noten im Lauf des Jahres verbessern kann. Mwanajuma kann gut kochen und ihre Praktikumsleiterin (sie hat in den Schulferien in einer Lodge im Haushalt und in der Küche mitgearbeitet) wollte sie am liebsten gleich fest anstellen.

Februar 2019: Mwanajuma hat Ende letzten Jahres die weiterführende Schule abgeschlossen und macht nun gemeinsam mit Dorothy einen 3-monatigen Kochkurs an einer Hotelfachschule in Diani. Sie lernen dort von einem belgischen Koch nicht nur Kochen sondern auch Servieren und den Umgang mit Gästen. Da es sich um einen Halbtageskurs handelt, gehen sie nachmittags gemeinsam in eine Sprachschule, um Deutsch zu lernen.

Mwanajuma kann bereits gut kochen und backen und es macht ihr auch grossen Spaß. Daher würde sie später evtl. gerne in einem Hotel arbeiten, um sich diesbezüglich weiterzubilden. Zunächst kann sie es sich aber gut vorstellen, als Au-pair nach Deutschland zu gehen, auch um die deutsche Sprache noch besser zu lernen. Das würde ihr zudem Chancen eröffnen, in der Tourismusbranche eine gute Arbeit zu finden.