Naomi

Wieder einmal (am 21.November 2009) wurden wir ins Krankenhaus nach Msambweni gerufen. Es ging um ein völlig unterernährtes kleines Mädchen namens Naomi, die zum Zeitpunkt circa 14 Monate alt war. Eine Mutter, völlig verzweifelt oder verwirrt, saß am Krankenbett mit ihren drei kleinen Kindern,…

Wieder einmal (am 21.November 2009) wurden wir ins Krankenhaus nach Msambweni gerufen. Es ging um ein völlig unterernährtes kleines Mädchen namens Naomi, die zum Zeitpunkt circa 14 Monate alt war. Eine Mutter, völlig verzweifelt oder verwirrt, saß am Krankenbett mit ihren drei kleinen Kindern, Neema ca. drei Jahre alt, Naomi und ein drei Monate alter Säugling.

Der Anblick von Naomi hat uns sofort völlig berührt. Sie saß bis auf die Knochen abgemagert völlig apathisch neben ihrer Mutter. Ihre greisenhaft eingefallene Gesichtszüge haben uns erschreckt und ihre großen, in tiefen Höhlen sitzenden Augen, sahen an uns vorbei. Sie zeigte keinerlei Regung. Ihre Füße waren sehr angeschwollen (Ödeme) und die Haut zeigte deutlich Spuren von Austrocknung (Dehydration). Neemas Bauch und Gesicht waren völlig aufgetrieben und sie war in einem extrem verwahrlosten Zustand.

Der kleine Säugling zeigte auch schon Anzeichen von Unterernährung. Nach einem langen Gespräch mit der Mutter willigte sie ein, dass Neema und Naomi nach Nice View gebracht werden. Den Säugling aber wollte sie behalten und das Jungendamt hat uns versprochen ab und zu nach ihm zu schauen, obwohl ich (Gudrun) weiß, dass dies nicht einfach sein wird, da die Mutter mit ihren Kindern in einem Ort ganz tief im Busch wohnt. Aber wir konnten ihr das Kind nicht einfach wegnehmen.

Neema II (wir nennen sie Neema II, weil wir ja schon eine Neema haben), wohnt in Nice View 2 im Mädchenhaus und wird ab Montag (23.11.2009) in unseren Kindergarten gehen. Bald wird sie sich in die Gemeinschaft einfügen und Freundschaften schließen.

Naomi wohnt in Nice View 1 im Babyhaus. Aus unserer langjährigen Erfahrung mit unterernährten Kindern, wissen wir, dass sich ihr Zustand bei vitaminreicher Kost nach einigen Wochen drastisch verändern wird.

Beide Kinder sind HIV negativ.

November 2010: Naomi hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt. Nachdem sie zu Beginn immer schlecht gelaunt aussah, sieht man sie nun oft lächeln oder gar lachen. Auch ist sie jetzt genauso mopsig wie die anderen Kleinkinder und zwischenzeitlich sehr anhänglich.

April 2012: Naomi gehört zu den ‚Gründungsmitgliedern‘ unsere Babygruppe (Kindergarten), die letztes Jahr eingeführt wurde. Sie geht unheimlich gerne in den Kindergarten und macht sich sogar an den Wochenenden strahlend auf den Weg in den Kindergarten. Sie zieht dann selbst ihre Schuhe an, schnappt sich ihren Rucksack, und ist dann natürlich sehr enttäuscht wenn sie von uns zu hören bekommt, dass heute gar kein Kindergarten ist. Naomi ist sehr anhänglich und spricht viel. Leider recht unverständlich. Wenn sich dies nicht bald bessert muss sie zu einem Sprachtherapeuten.

Oktober 2013: Naomi verstärkt bereits seit einer Weile gemeinsam mit Kea und Michelle unsere Spielgruppe (Kindergarten). Sie spricht leider noch immer etwas undeutlich, ist sehr liebesbedürftig und sitzt gerne auf dem Schoß. So gerne, dass sie sich selber umzieht, falls bei Regenwetter die Hose nass geworden ist und man sie deshalb nicht auf den Schoß nehmen möchte.

Januar 2016: Naomi besucht zwischenzeitlich gemeinsam mit Michelle und Kea die 2. Klasse und versteht sich gut mit den anderen Kindern. Sie beteiligt sich aktiv am Unterricht, ist jedoch nur eine mittelmäßige Schülerin, die aufgrund eines leichten Sprachfehlers auch nicht immer einfach zu verstehen ist. Naomi ist ein liebes, aktives und fröhliches Mädchen.

November 2019: Naomi geht mittlerweise in die 5. Klasse. Sie ist ein liebes, hilfsbereites, aufgewecktes, anhängliches und kommunikatives Mädchen, welches gerne bastelt und backt. Leider sind ihre schulischen Noten nicht so gut. Das Lernen fällt ihr einfach schwer.