2009 August: Besucherbericht von Stefanie Held

Dieser Bericht soll kein Tagebuch sein. Falls jemand Genaueres über meinen Aufenthalt wissen möchte, kann er sich gerne mit mir per Email (held.stefanie@web.de) in Verbindung setzen. Mir ist vor allem wichtig, auf diesemn Weg allen Paten und Nice View Interessierten zu sagen... es ist das richtige…

Dieser Bericht soll kein Tagebuch sein. Mir ist vor allem wichtig, auf diesem Weg allen Paten und Nice View Interessierten zu sagen... es ist das richtige Projekt, welches ihr unterstützt.

Durch Zufall habe ich von Nice View erfahren und ich wollte sofort unbedingt hin. Ich musste das mit eigenen Augen sehen, und als feststand dass es klappt, habe ich mich seit Februar auf Kenia gefreut.

Wir kannten uns nicht, die Familie Dürr und ich. Deshalb möchte ich mich herzlich bei ihnen dafür bedanken, dass sie mir mit ihrer offenen und herzlichen Art die Chance gegeben haben, Nice View kennenzulernen.

Am 20. Juni stand ich zum ersten Mal auf kenianischem Boden und hatte keine Ahnung was mich erwartet. Auf der Fahrt zu dem Nice View Gelände kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Jawohl, so habe ich mir Afrika vorgestellt. Ich war schon selig, als ich endlich ankam und habe mich direkt wohl gefühlt. Wobei, anfangs hatte ich kleine Orientierungsprobleme:

Von Nice View I zur Schule sind es ca. 1,5 km. Anfangs bin ich mit Cosmas (dem Sozialarbeiter von Nice View) rüber geradelt und abends mit den Schulkindern wieder zurück. Der Weg führt auf kleinen Trampelpfaden und breiten Sandpisten durch das Dorf und den Busch. Im Dorf wird man freundlich mit einem „Jambo“ gegrüßt und ich musste aufpassen, dass ich vor lauter Winken und Staunen (über Lehmhütten, Frauen in bunten Tüchern, usw.) nicht vom Fahrrad falle. Auch war nicht hilfreich, dass jeder einen anderen Weg benutzt. Egal mit wem ich unterwegs war. Mit Cosmas, den Kindern oder mit Gudrun. So, und deshalb liegt es nicht (nur) an meiner Orientierungslosigkeit, dass ich mich direkt bei meinem ersten Alleingang (zu Fuß, weil ich das alles ja soooo schön fand) komplett verlaufen habe! Da stand ich also irgendwann ziemlich belämmert mit ein paar Kühen und Ziegen auf einem Minitrampelpfad und hatte keinen Schimmer wie ich nach Hause komme. Na und so musste ich an einer Lehmhütte anklopfen (klopft aber nicht wirklich) und habe zaghaft nachgefragt, wo denn das Children`s Village sei. Die Menschen in der Hütte fanden das ziemlich witzig und ich wurde direkt bis zum Tor von Nice View begleitet. Als ich abends meine Story bei den Kindern zum Besten gab, haben sie mich ernsthaft mit einem „I`m sorry“ bedauert, was ich wiederum ziemlich witzig fand. Schließlich konnten die Kinder ja nichts dafür, dass ich es nicht drauf hatte, alleine nach Hause zu laufen.

Apropos Kinder. Es ist mehr als auffällig, wie freundlich und hilfsbereit Gudruns Kinder sind.

Als zum Beispiel die neuen Kinder ins Children`s Village kamen (siehe Bericht „Drei neue Kinder im Nice View Children`s Village“) war ich davon sehr angetan. Es war schon dunkel als wir mit dem Landrover und den Dreien in Nice View ankamen. Alle drei, Kea, Mia und Mona sind im Auto schon eingeschlafen. Wir kamen an und die Nice View Kinder haben mir die drei zaghaft vom Schoß geholt und sich rührend um sie gekümmert. Ich war erstaunt, als ich die größeren Jungs beobachtet habe, wie sie Kea und die beiden Zwillingsmädchen zum Haus trugen. Dort wurden sie erst mal gebadet, was ehrlich gesagt auch mehr als nötig war. Währenddessen wurden schon Kleidung, Betten mit Moskitonetzen und natürlich Essen bereitgestellt. Die drei waren selig, echt wahr. Und ich war erschöpft! Die ganze Geschichte hat mich sehr berührt. Ich bin so dankbar, weil ich weiß, dass auch diese drei (heimlich sage ich ja „meine drei“) nun eine gute Zukunft vor sich haben. Mit geregelten Mahlzeiten, ärztlicher Versorgung, Hygiene, Bildung und endlich einer schönen Kindheit.

Das Gesamtkonzept von Gudrun und ihrer Familie ist absolut durchdacht. Ein Beispiel dafür ist, dass die Zubereitung der Speisen für beide Kinderdörfer und für die Schule zugleich Lehrinhalt für die Azubis in der Küche ist. In der Nice View Küche wird die kenianische Kost von den beiden Küchenchefs gelehrt, aber auch Gudrun erweitert den Speiseplan und übt mit den Azubis das Kochen. Mir sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen als  mir Kassim, ein Azubi, erklärte, dass es heute Linsen mit Spätzle gibt! Das Brot wird selbst gebacken, ebenso kann auch Wurst hergestellt werden. Obst und Gemüse wird auf der Nice View Farm gepflanzt und geerntet. Jedoch ist diese Farm nicht nur eine Farm, sondern auch Pascals Minizoo. Der Kerl ist echt der Hammer. Die Leidschaft die seine Mutter für die Waisenkinder hat, wurde von Pascal für die Tiere übernommen.

Mit der Zeit habe ich mich auch daran gewöhnt, dass der blonde deutsche Kenianer im Vorbeilaufen Geckos von den Wänden sammelt, um damit seine Buschbabies zu füttern. Meine Hochachtung, Pascal, aber Deine Schlange und ich werden niemals Freunde werden.

Durch den Aufbau der Farm, der Schule, der Schreinerei und natürlich dem Kinderdorf selbst wurden auch Arbeitsplätze in Msambweni geschaffen. Gudrun beschäftigt momentan ca. 20 Mitarbeiter. Es erfolgen regelmäßige Besprechungen und Absprachen bezüglich Urlaubsplanung, Ausfälle von Mitarbeitern, Einarbeitung von neuen Mitarbeitern und das Lösen aktueller Probleme. Dies sind Themen, welche wir auch von Deutschland kennen.

Gudrun ist die Ansprechpartnerin für sämtliche Bereiche von Nice View. Wahnsinnige Aufgabe, aber eben genau das Besondere an diesem Projekt. Sie ist vor Ort, sie ist Leiterin im Kinderdorf, Managerin von Versorgungsprojekten wie der Farm, die Schreinerei, die Schneiderei etc. Außerdem ist sie Lehrerin und Buchhalterin. Der wichtigste Job ist jedoch der der Mutter und guten Seele von Nice View.

Es gibt mittlerweile sicher viele Entwicklungsprojekte, die in der Regel auch gute und nachvollziehbare Ziele verfolgen. Häufig jedoch werden sie „nur“ von außen finanziert. Und wer hat sich nicht schon dabei ertappt, sich beim Spenden manchmal die Frage zu stellen, ob mein Geld denn auch da ankommt wo es hin soll und entsprechend meinem Spendengrund eingesetzt wird? Genau dies ist hier absolut gesichert, da die „Chefin“ und der Motor des Hilfsprojekts direkt permanent vor Ort ist. Die Kontaktadresse in Deutschland ist hilfreich und rundet das Projekt nahezu perfekt ab.

In Nice View wird den Kindern nicht nur Unterkunft und Verpflegung geboten, sondern eine Perspektive.

Ich habe die Zeit in Nice View sehr genossen und bin von diesem Projekt absolut beeindruckt. Schon jetzt freue ich mich auf den Tag, an dem ich „meine Kinder“ wieder sehen und umarmen kann.

Liebe Grüße

Steffi